Da sag doch noch mal jemand, Computerspiele seien fern der Realität. Stimmt nicht! Wie auch im richtigen Leben, kann sich ein Spiel für eines entscheiden: Zählen die Klamotten, in diesem Falle also Rüstungen und Waffen mit immer weiter hoch geschraubten Stats, oder setzt man auf das Können (im reallife wären "Intelligenz" oder "handwerkliches Geschick" ähnliche Attribute) der Spieler, lässt also die Stats auf einem gewissen Höchstlevel und die Skills entscheiden, wer der Härteste im Garten ist.
Die Frage stellten sich auch die Jungs von Gamebreaker.TV, in Schrift und Bild. Das "Bild" sollte man sich gehörigst sparen denn das Video zeigt eigentlich nur 8 Minuten irgendwas...nicht sonderlich prickelnd. Der nidergeschriebene Text allerdings gehört analysiert und geprüft. Natürlich sollte man sich grundsätzlich bewusst sein, das gerade ein solches Thema extrem zu Mutmaßungen anstachelt, z.B. wissen wir alle das WoW-Spieler keine Ahnung von PvP haben und sowieso nur der nächsten Karotte nachhecheln wollen. Deswegen werden sie GW2 nur 10 Tage spielen, weinen und zurück zu Blizzard rennen (Sarkasmus off, ich habs schließlich auch mal gespielt). Oder wird es doch ganz anders als man denkt?
Im Standard MMO wie wir es kennen, sei es WAR, WoW, TOR, AoC oder irgendwas anderes mit 3 Buchstaben, wird gelevelt. Im PvE oder PvP werden Gegner geschlachtet, Dungeons geraidet, gequestet usw. Und dafür das man immer mehr EP sammelt und im Level aufsteigt bekommt man als Belohnung des Schneideres neue Kleider, die einem einen zusätzlichen Boost verpassen. Das hat nichts mit Skill zu tun. In Shootern bekommt man eine Auswahl an verschiedenen Waffen, man sucht sich die, die am Besten zu einem passt und bleibt dabei. Der Char wird meists nicht schneller oder bekommt bessere Rüstung oder sonst etwas. Man kann jeden Tag im Jahr Counter-Strike oder Quake oder oder oder spielen, die Figur die man spielt startet immer gleich. Das Gleiche passiert in Beat em Ups oder in Sportspielen. Man schaltet keine Moves frei, diese sind von vorneherein verfügbar, man lernt sie mit der Zeit kennen und man lernt sie zur richtigen Zeit einzusetzen.
Der Skillansatz von GW2 ist dahingehend also sehr spannend. Man erstellt einen neuen Char, rennt durch das Tutorial, portet in den "Nebel" und bibbedibabbedibu, man ist lvl 80, hat starke PvP-Klamotten und -Waffen sowie Marken und Signets etc. kaufen zu können. Die Voraussetzungen sind also für alle Spieler gleich. Nun kommt es darauf an: Habe ich eine Gruppe die gut aufeinander abgestimmt ist, habe ich die für meine Spielart beste Skillung gewählt, kann ich eine Maus und eine Tastatur gleichzeitig bedienen? Nur diese Faktoren kommen im sPvP zum tragen, wer ständig auf die 12 bekommt, sollte seine Traitverteilung und alles andere nochmal genau unter die Lupe nehmen, denn es liegt nicht daran das der Gegner bessere Klamotten anhat. So ähnlich wird es sich auch im PvE verhalten. Klar wird man dort sukzessive an besseres Equip kommen, ArenaNet hat aber bereits gesagt, das das beste lvl 80 equip im PvE ziemlich äquivalent zum PvP-Equip sein. Allerdings wird man wohl ne ganze Ecke cooler aussehen, dank der Klamotten die man gefarmt hat. Das finde ich ziemlich fair, schließlich verpasst man den richtigen Spaß wenn man nicht auf dem Schalchtfeld sondern im Dungeon ist, dafür darf man dann halt auch mal schicker aussehen.
Nun stellen sich Spieler der von mir bereits arg gescholtenen PvE-Spiele natürlich die vollkommen berechtigte Frage, was in aller Welt denn bitte dann der Grund zum weiterspielen sein soll, wenn man sowieso ratzfatz das beste Equip hat und es danach prinzipiell keinen Progress mehr gibt. Ganz neudeutsch und cosmopolit wie ich bin, und weil ich den Begriff circa 50 mal am Tag eh benutze, nennen wir die Taktik von ArenaNet "Incentivierung"; aber auch Konkretisierung und Beschränkung auf das Wesentliche. Statt dem immer besseren Equip nachzujagen, kann man das Spiel einfach des Spieles wegen spielen (großartiger Satz...). Man kann sich also auf die wesentlichen Betandteile konzentrieren, auf das Crafting, das Entdecken, das sPvP, im offenen WvW rumschlendern usw. Ein schöner Ansatz und für mich als Entdecker der bei WAR jeden kleinsten Winkel der Welt ausgeleuchtet hat, ein absolutes Pro Argument für diese Auffassung.
Zurück zum Skill. WAR war ein auf Equip basierendes PvP Spiel, während WoW ein auf Equip basierendes PvE Spiel ist. Was haben diese beiden also gemeinsam? Man musste erst reichlich Zeit am PC verbringen um sich mit den besten (bzw best-equippten) Gegnern und/oder dem hefigsten Hero-Boss-Mob messen zu können. Das Problem dabei ist, das Raid-Gilden und Stammgruppen immer schwieriger an Personal kamen, da die Schere zwischen Anfängern und alt Eingesessenen immer weiter aufging. Natürlich konnte man auch under-equippte Spieler mitnehmen, aber man hat dadurch immer auch automatisch einen Schwachpunkt in der Gruppe. Den hat ArenaNet quasi rausgefiltert. Allerdings wird es in GW2, aufgrund der nicht vorhandenen monatlichen Kosten, ein Transaktionssystem geben. Darüber kann ich mich nicht wirklich äußern, allerdings bin ich ziemlich fester Überzeugung, das wir kein p2w erleben werden. DIe Daumen sind gedrückt.
Nun stellt sich allerdings noch die Frage, ob das Gras dieses mal wirklich durchgehend grün ist. Einige Spieler werden mit dem skill-based System richtig Probleme haben, und ich spreche nicht nur von Menschen, die z.B. körperlich limitiert (Epilepsie, schwache Hand-Augen-Koordination, etc.) sind und dadurch ihr reallife Handicap in-Game eben nicht durch besseres Equip anderen gegenüber ausgleichen können. Das erste Geschrei wird immer sein "lern zu spielen du Noob oder schleich dich gefälligst". Ganz klar, das kann zum Problem werden. Auf der anderen Seite gibt es Gott sei Dank genug für jeden Spieler zu tun, außerhalb des competitve Gaming. Da ich diese schönen Dinge bereits oben geschrieben habe, werde ich das nicht noch einmal tun.
Zusammengefasst: ArenaNet geht ein hohes Risiko mit dem Skill-based System. Es wird nicht jeder mögen und es wird viele Spieler geben, die sich eben nicht so einfach beschäftigen können, wenn sie keinen neuen Items nachjagen können. Und da ist auch schon ein Punkt wo man den Strich setzen kann: Man kann haufenweise Vanity-Items finden, wer also darauf steht, nur zu, ab zur Suche. Ich persönlich denke das nur dieses System wirklich fair ist. Auch Spieler die PvP lieben, aber limitiert in ihrem Können und/oder körperlichen Fähigkeiten sind, können sich zu Kriegstruppen zusammenrotten und so dem Gegner ordentlich auf die Mütze geben. Man geht dadurch etwas in der Masse unter und ist einer von Vielen, aber man ist dabei. Man umgeht halt einfach das sPvP. Was also zeigt, das für jeden etwas dabei sein wird.
Ich finde da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Was Gear basierende Spiele meiner Meinung nach machen ist im Prinzip nur Content Lockout. Wer nicht Equip einer bestimmten Kategorie hat wird bestimmte Inhalte einfach nie zu sehen bekommen. Rift hat da einen ganz wie soll ich das am besten nennen, sagen wir mal "eigenen" Weg um damit umzugehen. Wenn da ein neuer Raid z.B rauskommt ist der erstmal schwer und nur mit Top Equip Voraussetzung zu bestehen. Trion schaut sich das dann eine Weile an und wenn die Progress Gilden durch den Content im Prinzip durch sind schwächen sie die Encounter ab so das auch weniger gute und natürlich vor allem weniger gut equippte Gilden und Spieler in den Genuss kommen.
AntwortenLöschenBei PvP Spielen wird man zwar nicht wirklich ausgesperrt, aber wer als frisch Vierziger in WAR oder 50´er in SWTOR oder Rift ins PvP ist brauchte ne Menge Sterbetoleranz. Wobei was ich persönlich da ja so schlimm fand war das das prä Endlevel PvP klasse war. In WAR das T1-T3 PvP habe ich ausgesprochen gern gemacht und das war auch deutlich abwechslungsreicher was den Ausgang anging.
In GW2 bin ich sehr gespannt wie das angenommen wird. Den Paradigmenwechsel wie das im Artikel benannt wurde zu akzeptieren, wird glaube ich für sehr viele schwer sein. Ich bin ja nun wirklich viel in Foren unterwegs und wirklich ganz viele Spieler äußern sich da sehr negativ. Die finden ein Spiel ohne Equip Farmen und wo die langjährigen Spieler keinen Vorteil gegenüber Anfängern haben richtig Scheiße. Auf jeden Fall eine mutige Entscheidung von Arenanet das zu versuchen.
Ich finde dies vom Grundsatz her, einen der optimalsten Ansätze, den Arenanet machen kann. Persönlich finde ich es eher erstrebenswert, dass ich im sPvP jemanden aufgrund von Klassenbeherrschung, Timing oder global gesagt "Skill" besiege, als dass ich einfach die bessere Ausrüstung habe.
AntwortenLöschenFürs PvP definitiv gute Entscheidung. Man geht ja auch für die "Competition" ins PvP und nicht um sein End-Tier-Outfit Gassi zu führen.
Genauso im PvE. Da ist es zwar nett den High-End items nachzujagen, aber für mich steht da immer noch die Story im Vordergrund. Und falls ich dann mal mit meiner LvL 80-Elite-Legendary-Limited-Arenanet-Buddy-Rüstung zu meinem LvL1 Kollegen gehe, werden die Stats bestimmt auch so massiv herunter gesetzt dass ich da dann auch nichts von habe.